11.07.2020

Ist intelligentes Leben zur Selbstzerstörung verdammt?

Wissenschaftler argumentieren, dass eine außerirdische Zivilisation, die technisch so weit fortgeschritten ist, um mit uns zu kommunizieren, gleichzeitig auch das Risiko in sich birgt, sich selbst zu vernichten.

 

Die Frage, ob wir allein im Universum sind, bleibt eines der größten philosophischen Rätsel unserer Zeit und obwohl es eigentlich unvorstellbar erscheint, dass unsere eigene Zivilisation die einzige im Universum sein soll, spricht die Tatsache, dass wir noch keine Spuren fremdes intelligentes Leben gefunden haben, für diese Möglichkeit - doch ebenso gibt es Argumente für das Gegenteil.

 

So kam eine kürzlich durchgeführte Studie zu dem Ergebnis, dass allein in unserer Galaxie, der Milchstraße, bis zu 36 außerirdische Zivilisationen beheimatet sein könnten (wir berichteten hier). Doch diese Außerirdische auch zu entdecken, dürfte genauso so schwierig werden, als wolle man die berühmte Nadel im Heuhaufen finden – allerdings einem Heuhaufen von der Größe der Sonne. Aber es gibt noch ein weiteres Problem, das solche Anstrengungen zusätzlich erschweren könnte - es gibt keine Garantie dafür, dass eine Zivilisation auch tatsächlich lang genug existiert, um Kommunikation mit weit entfernten Welten betreiben zu können.

 

Das Römische Reich zum Beispiel dauerte nur 1.000 Jahre - im Großen und Ganzen eine relativ kleine Zeitspanne. Das Zeitfenster, in dem eine fortgeschrittene Zivilisation das Potenzial hat, mit uns zu kommunizieren, könnte demzufolge ebenso klein sein. Zudem ist davon auszugehen, dass jede Zivilisation mit hochentwickelter Raumfahrttechnologie auch in der Lage wäre, sich selbst zu vernichten, so wie wir es zum Beispiel mit unseren Atomwaffen fast getan hätten und jederzeit noch tun könnten.


„Vielleicht ist die Fähigkeit zur Selbstzerstörung ein wesentlicher Aspekt von intelligentem Leben, zumindest von Leben wie wir es kennen", schreiben die Astrophysiker Tom Westby und Christopher Conselice in ihrer im Astrophysical Journal veröffentlichten Studie. „Soweit wir sagen können, hat eine Zivilisation, wenn sie die Technologie entwickelt, um über große Entfernungen zu kommunizieren, auch die Technologie, um sich selbst zu zerstören, und dies ist leider wahrscheinlich universell.“ Mit anderen Worten: Außerirdische mit ausreichend hochentwickelter Technologie könnten uns zwar eine Botschaft senden, doch aufgrund der extremen Entfernungen könnten diese Zivilisationen schon längst von der Bildfläche verschwunden sein, sodass niemand mehr da ist, um unsere Antwort zu empfangen. Ebenso könnten aber auch wir schon lange verschwunden sein, wenn ihre Nachricht die Erde erreicht.

 

Entsprechend gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es sehr schwierig werden wird, eine fortgeschrittene außerirdische Zivilisation zu finden, die sich entweder lange genug halten konnte oder sich noch innerhalb dieses kleinen Zeitfensters befindet. „Wir können uns eine Galaxie vorstellen, in der intelligentes Leben weit verbreitet ist, doch eine Kommunikation mit ihnen bleibt eher unwahrscheinlich", resümieren sie.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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