20.12.2022

Neues »UFO-Büro« des Pentagon hat Hunderte neue Berichte erhalten

Das neue Büro wurde nach einem US-Kongressbeschluss eingerichtet, um Berichte über unidentifizierte Luftphänomene (UAPs) zu verfolgen und zu untersuchen.

 

In den vergangenen Monaten wurden große Anstrengungen unternommen, um das Meldeverfahren und den Zugang zu Daten über UAP-Sichtungen einfacher und transparenter zu gestalten - insbesondere für Piloten und Militärangehörige, die sich in der Vergangenheit schwergetan haben, solche Begegnungen zu melden, weil sie Angst hatten, berufliche sowie persönliche Konsequenzen tragen zu müssen. Neuerdings wird lieber der Begriff UAP (Unidentified Aerial Phenomena, deutsch: unidentifiziertes Luft-/Luftraum-Phänomen) verwendet, um den Begriff UFO (unidentifizierte/unbekannte Flugobjekte) zu vermeiden, da er überwiegend mit als zwangsläufig außerirdischen Ursprungs assoziiert wurde.

Und so gründete das US-Verteidigungsministerium infolge einer Bestimmung des National Defense Authorization Act für das Jahr 2022 im Juli die Abteilung All-domain Anomaly Resolution Office (AARO), das mit der Untersuchung und Nachverfolgung von UFOs bzw. UAPs beauftragt wurde. Die AARO soll sich aber nicht nur mit den luftgestützten Objekten und Bedrohungen im Weltraum befassen, sondern sich auch jenen unidentifizierten Objekten widmen, die im Wasser geortet werden oder als »Transmedium« gelten - also Objekte, die in der Lage sind, sich im Weltraum, der Erdatmosphäre oder innerhalb von Gewässern fortzubewegen.

 

Interessant ist jedoch, was diese neue Definition für diese neue UFO-Abteilung der US-Regierung bedeuten könnte. Denn derartige Objekte scheinen von ihrer Natur her eigentlich exotisch zu sein, doch tatsächlich scheint diese Definition ausdrücklich Sichtungen von Objekten auszuschließen, von denen bekannt ist, dass sie von Menschenhand geschaffen wurden, und die - gemäß Seite 107, Zeile 3 der Richtlinien - an die zuständigen [DoD-]Stellen weitergeleitet werden sollten.

Mit anderen Worten, die UFO-Abteilung scheint nicht daran interessiert zu sein, alle Vorfälle/Sichtungen zu untersuchen, die das Potenzial aufweisen, von Menschen gebaut - also irdisch - zu sein, demnach also auch nicht mögliche feindliche Technologie. Sollte dies tatsächlich so beabsichtigt sein, wäre es eine sensationelle und erstaunliche Aussage, denn es bedeutet indirekt, dass die Regierungsbeamten davon ausgehen, dass diese »transmedialen Objekte«, die es zu untersuchen gilt, zwangsläufig außerirdischer Natur sein müssen.

 

Im Juni 2021 berichtete die amtierende Direktorin der nationalen Nachrichtendienste (Director of National Intelligence, DNI), Avril Haines, dass zwischen 2004 und 2021 insgesamt 144 derartige Vorfälle aufgezeichnet wurden, darunter 80, die unabhängig voneinander von mehreren Sensoren erfasst wurden. Nun teilte der Leiter des »UFO-Büros«, Sean Kirkpatrick, den Medien mit, dass in der Zwischenzeit weitere Hunderte Berichte eingegangen seien, die nun von den Behörden untersucht würden.

Dies zeigt, dass sich die AARO bei ihren Untersuchungen nicht auf ältere Berichte von UFO-Begegnungen mit der US-Marine aus der Zeit vor 2021 beschränkt, sondern auch aktuell eingehende Meldungen analysiert. Ein aktualisierter Bericht über diese neueren Fälle wird von der Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes bis Ende des Jahres erwartet.

 

Dieses UFO-Dossier ist eines der vom US-Kongress halbjährlich geforderten Berichte, der durch den letztjährigen National Defense Authorization Act (NDAA) in Auftrag gegeben wurde und Teil einer Reihe neuer Gesetze ist, die die Regierung zu mehr Transparenz bei unerklärlichen Phänomenen in unserem Luftraum und auf unseren Meeren zwingen.

 

Bislang hat die Behörde jedoch stets behauptet, keine konkreten Beweise für außerirdische Besucher gefunden zu haben. „Wir haben nichts gesehen, doch wir stehen noch ganz am Anfang, um uns zu einer Annahme veranlasst zu sehen, dass eines der Objekte, die wir gesehen haben, außerirdischen Ursprungs sei, wurde Ronald Moultrie, Unterstaatssekretär für Geheimdienst und Sicherheit, zitiert.

Der Kongressbeschluss

In dem Beschluss vom 17. Juni 2020, in dem der US-Senatsausschuss die Ausgaben für die Geheimdienste der Nation für das kommende Jahr beschreibt, die United States Intelligence Community sowie das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten dazu verpflichtet wurden, die „Sammlung und Berichterstattung" über Sichtungen von unerklärlichen Luftfahrzeugen zu „standardisieren" und sie alle sechs Monate dem US-Geheimdienstausschuss vorzulegen. Dieser Bericht muss folgende Angaben enthalten:

1. Eine detaillierte Analyse der Daten zu nicht identifizierten Luftphänomenen und nachrichtendienstliche Berichte, die vom Office of Naval Intelligence (nachrichtendienstliche Abteilung der U.S. Navy) gesammelt oder erfasst wurden - einschließlich Daten- und Geheimdienstberichte die von der Unidentified Aerial Phenomena Task Force geführt werden.

2. Eine detaillierte Analyse der Daten, die über unidentifizierte      Phänomene gesammelt wurden;
a. mittels Geospatial Intelligence (aus der Auswertung von      Bildern und raumbezogenen Informationen);
b.  mittels Fernmelde- und Elektronische Aufklärung;
c.  mittels menschlicher Aufklärung;
d. mittels Erfassung und Auswertung unbeabsichtigter Emissionen     der Aufklärungsobjekte (MASINT);

3. Eine detaillierte Analyse von Daten des FBI, die aus aus Untersuchungen von Eindringlingen von unidentifizierten Luftphänomen-Daten über den eingeschränkten Luftraum der Vereinigten Staaten;

4. Die detaillierte Aufstellung eines behördenübergreifenden Prozesses zur Gewährleistung einer zeitnahen Datenerfassung und zentralisierten Analyse aller nicht identifizierten Luftphänomene, die für die Berichterstattung an die US-Regierung, unabhängig davon, welche Dienststelle oder Behörde die Informationen erworben hat;

5. Identifizierung eines für den Prozess offiziell Verantwortlichen wie in Absatz 4 beschrieben;

6. Identifizierung potentieller Luft- und Raumfahrt- oder anderer Bedrohungen durch die nicht identifizierten Luftphänomene für die nationale Sicherheit, und eine Einschätzung, ob die Aktivität dieser nicht identifizierten Luftphänomene einem oder mehreren ausländischen Feinden zugeschrieben werden kann;

7. Identifizierung von Vorfällen oder Mustern, die auf einen potenziellen Feind hindeuten, der möglicherweise bahnbrechende Fähigkeiten in der Luft- und Raumfahrt erreicht hat, die den strategischen oder konventionalen Streitkräften der Vereinigten Staaten gefährden könnten;

8. Empfehlungen zur verstärkten Datenerhebung, verstärkter Forschung und Entwicklung sowie zusätzlicher Finanzierung und anderer Ressourcen.

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, Bearb. F. Calvo


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