08.11.2022

Wissenschaftler arbeiten an einem offiziellen »Alien-Kontaktprotokoll«

Die Frage, ob wir allein im Universum sind, bleibt eines der größten philosophischen Rätsel unserer Zeit und die Suche nach Beweisen für intelligente außerirdische Zivilisationen ist vielleicht eines der wichtigsten Unterfangen, das die Menschheit je unternommen hat.

 

Sie hat nicht nur das Potenzial, die uralte Frage zu beantworten, ob wir allein im Universum sind oder nicht, sondern auch unser Selbstverständnis grundlegend zu verändern und zu zeigen, was es bedeutet, Mitglied einer weitreichenden kosmischen Gemeinschaft zu sein. Unwiderlegbare Beweise für außerirdisches Leben zu finden, erweist sich jedoch als sehr schwierig - zumal man nicht weiß, ob diese uns überlegenen Zivilisationen überhaupt entdeckt werden möchten und nicht vielleicht technische Möglichkeiten nutzen, sich unseren Blicken zu entziehen.

Am 16. November 1974 wurde anlässlich einer offiziellen Feier zur Einweihung einer größeren Aufrüstung des Arecibo-Observatoriums in Puerto Rico mit seinem Radioteleskop eine einmalige Botschaft an potenzielle Außerirdische in Form eines Radiowellen-Signals in Richtung des 25.000 Lichtjahre entfernten Kugelsternhaufens M13 gesendet doch bis heute haben wir keine Antwort erhalten. Auch das SETI-Institut (Search for Extraterrestrial Intelligence) versucht bereits seit 1960 mögliche Anzeichen und Signale technischer Zivilisationen im All zu finden, ohne einen Erfolg vermelden zu können.

 

Die Entdeckung, dass wir nicht alleine sind im Universum sind, wäre sehr sicher eines der wichtigsten Ereignisse in der Menschheitsgeschichte. Doch wie sind wir darauf vorbereitet, wenn dieser Fall eines Tages tatsächlich eintreten würde und Außerirdische Kontakt mit uns aufnehmen oder sogar auf der Erde landen? Eines scheint sicher, der Kontakt zu einer technisch höherentwickelten außerirdischen Zivilisation hätte für uns enorme soziale, psychologische, religiöse und politische Konsequenzen, für die keine Nation der Welt - zumindest nicht offiziell - Richtlinien festgelegt hat, um mit einer derartigen Situation umzugehen.


Das derzeit einzige Protokoll für den Kontakt mit Außerirdischen, das der Menschheit zur Verfügung steht, wurde 1989 vom SETI-Institut erstellt. Das Protokoll, das zuletzt vor mehr als einem Jahrzehnt überarbeitet wurde, ist vage, wenn es um die internationale Reaktion auf außerirdische Kommunikation geht; es konzentriert sich hauptsächlich auf die Bedeutung der Weitergabe von Entdeckungen an die Öffentlichkeit und die breitere wissenschaftliche Gemeinschaft. Im Falle eines bestätigten Kontakts mit Außerirdischen besteht der wichtigste praktische Tipp des Protokolls für Wissenschaftler darin, sich an die Vereinten Nationen oder ein anderes Gremium zu wenden - wie die Vereinten Nationen allerdings dann reagieren, ist völlig offen.

 

Deshalb hat sich jetzt erstmalig seit 35 Jahren ein Team von Politikexperten und Wissenschaftlern zusammengeschlossen, um eine Reihe von Protokollen für den Kontakt mit Außerirdischen zu erstellen, an die sich die ganze Welt im Falle eines plötzlichen Kontaktes mit Außerirdischen orientieren könnte. „Die Science-Fiction ist voll von Untersuchungen über die Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft, wenn wir anderswo Leben oder Intelligenzen entdecken oder begegnen", erklärt John Elliot, Computerwissenschaftler an der Universität von St. Andrews in Schottland, in einer Statement. Elliot ist der Koordinator des neu gegründeten SETI Detection Hub der Universität St. Andrews, einer interdisziplinären Organisation, die das neue Protokoll für Kontakte mit Außerirdischen erstellen wird.

Laut Elliot wird die neue Forschungsgruppe „über die Auswirkungen einer möglichen Begegnung mit Außerirdischen auf die Menschheit hinausgehen" und sich stattdessen darauf konzentrieren, wie wir darauf reagieren sollten. Es wird sich nicht auf das Senden von Nachrichten an Außerirdische konzentrieren, sondern Signale auf potenzielle Botschaften von außerirdischen Lebensformen hin untersuchen und einen Rahmen entwickeln, um diesen Signalen eine Bedeutung beizumessen. Außerdem werden sie Folgenabschätzungen erstellen, Berichte über die Auswirkungen bestimmter Maßnahmen vorlegen und Protokolle und Abhandlungen über die Reaktion auf hypothetische außerirdische Boten entwickeln.

 

Werden wir jemals eine Botschaft von E.T. erhalten? Wir wissen es nicht. Wir wissen auch nicht, wann dies geschehen wird", so Elliot. „Aber wir wissen, dass wir es uns nicht leisten können, schlecht vorbereitet zu sein - wissenschaftlich, gesellschaftlich und politisch hilflos - auf ein Ereignis, das schon morgen Realität werden könnte.“

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, NASA, Bearb. F. Calvo


* Die Beiträge unterliegen dem Urheberrechtsschutz und das Kopieren ist nur für nichtkommerzielle Zwecke und dem deutlichen Hinweis auf den Autor und dem Direktlink zu http://terra-mystica.jimdofree.com gestattet. Siehe unsere Urheberrechtsbestimmungen.